Frames im Journalismus

Sprache ist ein mächtiges Werkzeug. Das ist zwar eine abgedroschene Floskel, dennoch scheint das Bewusstsein für die Macht der Sprache auch bei professionellen Spracharbeiter*innen manchmal nur mäßig ausgeprägt zu sein. Ebenso wie das Bewusstsein für die Zusammenhänge und Epochen, aus denen wir Begriffe entlehnen, und für die Art und Weise, mit ihnen umzugehen. 

Mit Naturkatastrophen haben Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, nichts gemein. Trotzdem schwappen sie regelmäßig als „Flüchtlingswelle“ über uns. Beim Wort „gefesselt” dürften die meisten von uns an Zwang, Einschränkung oder Gewalt denken. Dennoch nutzen es Journalist*innen ständig, wenn es um Rollstühle geht und damit um Gegenstände, die vor allem Selbstständigkeit und Mobilität ermöglichen.

Frames sind unvermeidlich – und unsere Entscheidung

In der Sozialwissenschaft nennt man solche Sprachbilder „Frames“. Ob wir wollen oder nicht, lösen diese Deutungsrahmen bei uns unweigerlich bestimmte Assoziationen aus. Wer das Wort „Zitrone“ hört, denkt an „sauer“, spürt vielleicht sogar den typischen Geschmack einer Zitrone auf der Zunge. Die Begriffe Klimawandel, Erderwärmung oder Klimakatastrophe können dasselbe Phänomen beschreiben und dennoch ganz unterschiedliche Bilder erzeugen. Wer „Flüchtlingswelle” liest, denkt an Naturgewalten, Bedrohungen und eigene Machtlosigkeit. Gleichzeitig können Frames auch mögliche Konsequenzen nahelegen: Was hilft gegen Wellen? Dämme, Mauern und Abschottung!

Das gilt übrigens auch für alle anderen Begriffe. Jeder Begriff löst bei uns bestimmte Bilder aus. Nicht zu framen, ist schlicht unmöglich. Die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling verdeutlicht dies am Beispiel von einem Glas Wasser: Wir können es nur als halb voll oder als halb leer beschreiben. Immer vermitteln wir also eine bestimmte Perspektive. Eine rein faktische Beschreibung ist unmöglich.

Journalist*innen kommt deshalb schon bei der Auswahl ihrer Worte eine besondere Verantwortung zu: Es obliegt uns Spracharbeiter*innen zu entscheiden, welche Frames wir aktivieren wollen. Kein Begriff ist neutral, aber mancher vielleicht passender und weniger problematisch als der andere.

Die Wortwahl beginnt mit der Erfassung der Realität

Wie wir schreiben und formulieren, sagt oft viel mehr über unser eigenes Weltbild aus, als über die beschriebenen Personen. „An einer Behinderung leiden”, etwas „trotz der Behinderung tun” – das sind allesamt sprachliche Klischees über behinderte Menschen, die sich hartnäckig in den Medien halten. Sie alle haben etwas gemein: es sind Sätze, die meistens von Journalist*innen ohne Behinderung stammen. Im Wort „trotz” steckt viel Bewunderung, die Menschen mit Behinderung schon für alltägliche Dinge entgegengebracht wird. Der Fokus liegt besonders auf der Behinderung der Person – dabei werden die Menschen gar nicht durch sich selbst, sondern durch Barrieren und gesellschaftliche Strukturen behindert.

Geht es um rassistisch motivierte Gewalt, ist häufig von „Fremdenfeindlichkeit“ die Rede, obwohl die Betroffenen gar keine Fremden sind – sondern zum Beispiel seit Jahren oder sogar Generationen einheimisch. Wir beschreiben zwei fast identische Straftaten, die sich nur in der mutmaßlichen Religion des Täters unterscheiden, mal als „Familiendrama“, mal als „Ehrenmord“. In beiden Fällen verharmlosen wir solche Gewalt durch die Begriffswahl und übernehmen unkritisch die Perspektive der Täter*innen. 

In Berichten über trans* Personen wiederum ist häufig vom „eigentlichen“, „richtigen“ oder „wirklichen” Geschlecht die Rede. Nach dieser Logik ändern oder wechseln trans* Personen ihr Geschlecht. Der Perspektive der betroffenen Person entspricht dies in aller Regel nicht. Dasselbe gilt für grammatikalische Formen, mit denen wir kurzerhand alle Menschen außer Männern aus unseren Berichten ausschließen, indem wir sie einfach „mitmeinen“.

Sprache lebt

Dabei ist es immer wichtig, zu bedenken, dass Sprache sich wandelt. Das gilt auch für Selbstbezeichnungen aus den Communitys von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen. Manche Begriffe werden so schnell wieder verworfen, wie sie entstanden sind, andere Selbstbezeichnungen finden nicht alle Betroffenen passend und wieder andere entscheiden sich fürs kleinere Übel, zum Beispiel, indem Wörter aus dem Englischen übernommen werden. Kurz gesagt: Sich auf angemessenes Wording zu einigen ist kein abgeschlossener Prozess. Entsprechend kann es auch in diesem Guide manchmal zu Widersprüchen kommen: Heißt es nun BIPoC oder BPoC? Es kommt drauf an, wer gemeint ist. Und sagt man nun Homofeindlichkeit oder doch Homophobie? Im Moment geht beides.

Einfach professionelle Spracharbeit

Die gute Nachricht ist: Es besser zu machen ist ganz einfach und es gibt mehr und mehr Journalist*innen, die sich solche Fehler nicht mehr leisten wollen. Dabei geht es nie um die Frage, was man heute überhaupt noch sagen darf, sondern um gute journalistische Arbeit. In diesem Kapitel haben wir einige Anregungen für einen bewussteren und präzisen Umgang mit Sprache zusammengestellt. Von Sprachprofis für Sprachprofis.

„Wenn wir zu den Nicht-Betroffenen einer bestimmten Diskriminierungsform gehören, müssen wir lernen, den Diskriminierten mehr zu glauben als uns oder anderen Nicht-Diskriminierten.“

Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch, TU Berlin, in: „Eine Frage der Moral. Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen.“, Dudenverlag 2018

Glossare für professionelle Spracharbeit

  • Seit 2014 veröffentlichen die Neuen deutschen Medienmacher*innen regelmäßig ein Wörterverzeichnis mit Formulierungshilfen, Erläuterungen und alternativen Begriffen für die Berichterstattung in der Einwanderungsgesellschaft. Es ist für Medienschaffende kostenfrei zu bestellen und wird laufend aktualisiert und neu aufgelegt – denn Nachfrage und Bedarf sind groß. Natürlich ist es auch online zugänglich.
  • Eine Übersicht über verbreitete rassistische Begriffe und alternative Formulierungen bietet außerdem „Sprache schafft Wirklichkeit” des AntidiskriminierungsBüros.
  • Zahlreiche Tipps, Hinweise und Good Practice-Beispiele für gendergerechtes Schreiben gibt es auf genderleicht.de vom Journalistinnenbund. Auf der Website finden sich außerdem Links zu vielen weiteren Leitfäden.
  • Kurze Definitionen der wichtigsten Begriffe der LSBTIQ*-Berichterstattung bietet das Glossar der Vielfalt des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD).
  • Ein Glossar mit queer_feministischen Begriffen ist auch im queer-lexikon.net zu finden.
  • Formulierungshilfe zum Thema Transgender liefert die Broschüre „Trans* in den Medien” von TransInterQueer e. V.
  • Hinweise speziell zur Berichterstattung über den CSD gibt es hier.
  • Formulierungshilfen für die Berichterstattung über Menschen mit Behinderung finden sich bei Leidmedien.  
  • Bei der Deutschen Presseagentur (dpa) gibt es intern zur Orientierung für alle Redaktionen den „dpa Kompass“. Hier sind Erläuterungen für unklare Begriffe aufgeführt und ebenso alternative Formulierungen für kritische Begriffe, die möglichst nicht in falschen Zusammenhängen benutzt werden sollten.
Checkliste für journalistische Sprache

Es gibt für fast alles sehr präzise Bezeichnungen, die gut verständlich sind. Es ist der Job von Journalist*innen, sich diese anzueignen. Folgende Tipps können dabei helfen.

„Das hieß schon immer so“ zählt nicht

Unsere Gesellschaft wandelt sich – und mit ihr unsere Sprache. „Fräulein“ sagt heute schließlich auch keine*r mehr. Genauso wenig benutzen seriöse Journalist*innen heutzutage eindeutig rassistische Begriffe, wie das N-Wort oder das Schimpfwort Z***.

Keine Begriffe aus dem Nationalsozialismus und der Kolonialzeit

„Asoziale“ haben in journalistischen Texten genauso wenig verloren wie „ausmerzen“ oder das Gedenken an die „Reichskristallnacht“. Das gilt natürlich auch für Begriffe aus der Kolonialzeit wie „Schwarzafrika“ oder „Farbige“.

Keine Beschönigungen 

Wer die Demokratie abschaffen will, ist kein „besorgter Bürger“, und wer zu Gewalt gegen Geflüchtete aufruft, ist kein „Asylkritiker“. Morde an Frauen sind „Femizide”., die Bezeichnungen „Beziehungstragödien“ oder „Familiendramen“ sind für sie genauso unpassend wie „Schulhofdramen“ für Amokläufe. 

Keine doppelten Standards

Wenn wir Hetero-Ehen nicht so benennen, sollten wir das bei „Homo-Ehen” auch nicht tun. Und Morde an Frauen gibt es auch in muslimischen Familien, das macht sie aber nicht zwangsläufig zu „Ehrenmorden“. Es gibt manchmal, unter bestimmten Voraussetzungen, „Morde zur Wiederherstellung einer vermeintlichen Familienehre“. Die gibt es aber auch unter Christ*innen, zum Beispiel in Süditalien oder Brasilien.

Differenzieren

Nur weil eine Gruppe von außen als homogen wahrgenommen wird, heißt das nicht, dass sie es auch ist. Wir alle haben mehr als eine Eigenschaft oder Zugehörigkeit, die unsere Identität ausmacht. Für eine Person mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft kann auch „Alevit*in“ oder „Kurd*in“ die passende Bezeichnung sein – vielleicht ist sie aber auch primär „Gamer*in“.

Selbstbezeichnungen nutzen

Vertreter*innen von strukturell benachteiligten Gruppen wissen am besten, wie sie bezeichnet werden wollen. Zum Beispiel „Frau mit Behinderung” statt „Behinderte”, „trans*” statt „transsexuell”. Viele weitere solcher Hinweise bietet unsere Rubrik „Formulierungshilfen” sowie unsere Glossar-Übersicht.

Gendern!

Die Zeiten, in denen es akzeptiert wurde, mehr als die Hälfte der Bevölkerung sprachlich unsichtbar zu machen, sind vorbei. Tipps zum genderleichten Schreiben finden Sie hier.
 

Formulierungshilfen: Menschen mit Behinderung

Besser so: Person X sitzt im oder benutzt den Rollstuhl, fährt Rollstuhl, ist auf den Rollstuhl angewiesen oder ist im Rollstuhl unterwegs

als so: an den Rollstuhl gefesselt

Besser so: Person X hat die Behinderung ABC oder lebt mit Krankheit ABC
als so: Person X leidet an ABC

Besser so: Mensch mit Behinderung oder behinderter Mensch
als so: der/die Behinderte, die Behinderten

Besser so: Behinderung, behindert 
als so: Handicap, gehandicapt

Besser so: behindert
als so: invalide, schwerbeschädigt

Besser so: nichtbehindert vs. behindert
als so: gesund oder normal vs. krank

Besser so: mit der Behinderung leben
als so: das Leben oder die Behinderung „meistern“

Besser so: mit seiner*ihrer Behinderung
als so: trotz seiner*ihrer Behinderung

Besser so: sehbeeinträchtigt, sehbehindert
als so: sehgeschädigt, Sehschwäche

Besser so: taub, gehörlos, schwerhörig, hörbehindert, Gebärdensprache, Gebärdensprachdolmetscher*in
als so: taubstumm, hörgeschädigt, Zeichensprache, Gebärdendolmetscher*in

Besser so: Nehmen Sie die Person ernst
als so: Sorgenkind, Schützling, „Du“ statt „Sie“

Besser so: Mensch mit Lernschwierigkeiten, kognitiv beeinträchtigt
als so: geistige Behinderung, geistig behindert

Besser so: Mensch mit Trisomie 21, Mensch mit Down-Syndrom
als so: Mongoloismus, mongoloid, Downie

Besser so: Mensch mit Assistenzbedarf
als so: Pflegefall

Besser so: kleinwüchsiger Mensch
als so: Zwerg, Liliputaner

Besser so: Autist*in
als so: Mensch mit Autismus

Besser so: psychisch beeinträchtigt, Psychiatrie-Erfahrene*r
als so: psychisch krank, psychisch gestört, geisteskrank

Besser so: blinde Person 
als so: der/die Blinde

Formulierungshilfen: LSBTIQ*

Besser so: Dritter Geschlechtseintrag
als so: Drittes Geschlecht

Seit dem 01. Januar 2019 gibt es mit „divers” neben „weiblich” und „männlich” einen dritten positiven Geschlechtseintrag im deutschen Personenstandsrecht. Außerdem konnte bereits vorher auch „kein Geschlecht” eingetragen werden. Es gibt also vier Optionen. „Divers” ist jedoch kein eigenes (Drittes) Geschlecht, sondern eine Sammelkategorie für alle jene, die sich „dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen” – so hat es das Bundesverfassungsgericht eingefordert. Das können Menschen mit den unterschiedlichsten Geschlechtern bzw. Geschlechtsidentitäten sein. 

Besser so: trans*, trans, transgeschlechtlich, transgender, transident
als so: transsexuell

Trans* ist ein Adjektiv und da es bei trans* nicht um eine sexuelle Orientierung oder Sexualität geht, sondern um Geschlechtlichkeit bzw. Geschlechtsidentität, wird der Begriff „Transsexualität” abgelehnt und zunehmend durch die anderen Begriffe ersetzt. Eine Ausnahme: Auch „transsexuell” kann eine Selbstbezeichnung sein, die man in diesem Fall respektieren sollte. 

Besser so: Geschlechtsangleichung
als so: Geschlechtsumwandlung, umoperieren lassen

Der Begriff „Geschlechtsumwandlung” soll Eingriffe bezeichnen, die den Körper in seiner Geschlechtlichkeit verändern. Dabei wird suggeriert, dass trans* Menschen (erst) dadurch ihr Geschlecht „umwandeln”, d.h. jemand wäre demzufolge zum Beispiel mal eine Frau gewesen und sei jetzt ein Mann. Das ist aber falsch und entspricht auch nicht der Selbstwahrnehmung von trans* Menschen. Zum einen ist Geschlecht mehr als Biologie und Körper. Zum anderen werden diese Eingriffe als Angleichungen an die Geschlechtsidentität erlebt. Der Körper wird verändert, die Geschlechtsidentität ist aber auch nach den Eingriffen die gleiche geblieben. 

Besser so: bei der Geburt als Mädchen eingeordnet oder dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet
als so: „als Frau geboren”, „biologische” Frau

Analog zu den Ausführungen beim Begriff „Geschlechtsangleichung” oder wie es auch Simone de Beauvoir schon sagte: „man wird nicht als Frau geboren, man wird es”. Mit der Formulierung wird suggeriert, dass ein trans* Mann mal eine Frau war und gibt den Geschlechtsorganen die Definitionshoheit über das, was Geschlecht ist und ausmacht. Geschlecht ist aber mehr als Körper und Geschlechtsorgane. Ausschlaggebend ist die Geschlechtsidentität. Neugeborene werden bei der Geburt aufgrund der körperlichen Geschlechtsmerkmale einem Geschlecht zugeordnet. Für cisgeschlechtliche Menschen passt diese Zuordnung, für transgeschlechtliche Menschen nicht. 

Besser so: lebte lange als Mann
als so: war mal ein Mann

Ähnlich wie im Abschnitt davor, geht es um die Frage, was ausschlaggebend für das Geschlecht ist und sich mit dem Comingout als trans* verändert hat. Eine trans* Frau war nie ein Mann. Sie wurde bei der Geburt als solcher eingeordnet und hat vielleicht auch Jahrzehnte als Junge oder Mann gelebt. Aber eigentlich war sie immer eine Frau, sie hat es vielleicht lange niemandem erzählt und ihr Auftreten und Erscheinungsbild (Genderexpression) entsprach nicht ihrer weiblichen Geschlechtsidentität. Sie lebte also als Mann, auch wenn sie keiner war.

Besser so: gleichgeschlechtliche Ehe, Ehe für Alle
als so: Schwulenehe, Homo-Ehe

Bei der Ehe für Alle geht es um die Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare. Das sind zum einen nicht nur Männerpaare, zum anderen können nicht nur homosexuelle Menschen, sondern auch bisexuelle und pansexuelle Menschen, gleichgeschlechtlich heiraten. Der Begriff „Homo-Ehe” ist daher nicht nur salopp, sondern auch unpräzise und macht Bisexualität unsichtbar.

Besser so: Frauen, Männer und nicht-binäre Personen bzw. cisgeschlechtliche und transgeschlechtliche Frauen / Männer / Menschen
als so: Frauen, Männer und trans* Personen

Trans* Frauen sind auch Frauen, trans* Männer sind auch Männer, damit sind sie auch in der Aufzählung Männer und Frauen enthalten und brauchen keine Extra-Nennung, die ihnen zudem implizit abspricht, „richtige” Frauen oder Männer zu sein. Soll etwa zwischen Männern unterschieden werden, die bereits bei der Geburt als männlich eingeordnet wurden, und denen, die nicht dem männlichen Geschlecht zugeordnet wurden, wäre die korrekte Verwendung cisgeschlechtliche und transgeschlechtliche Männer. Nicht alle Menschen sind Frauen oder Männer. Es gibt zum Beispiel nicht-binäre Menschen, die sich der vorherrschenden binären Geschlechternorm nicht zuordnen (lassen). Dafür wäre dann die Aufzählung Frauen, Männer und nicht-binäre Personen korrekt. 

Besser so: Demonstration für die Rechte queerer Menschen
als so: schrille Schwulenparade

CSDs werden in vielen Berichten als „schrill“ beschrieben. Schaut man mal im Duden, dann wird dieses Wort zum einen als „in unangenehmer Weise durchdringend hell, hoch und grell klingend” definiert, zum anderen als „auffallend, aus dem Rahmen fallend; ausgefallen; skurril.” Spätestens dann wird klar, dass dieses Wort eher negativ belegt ist und Abwehr hervorruft. Eher unpassend für die Beschreibung einer Demonstration für gleiche Rechte. Zudem demonstrieren beim CSD nicht nur schwule Männer, sondern auch Lesben, bisexuelle oder nicht-binäre Menschen, die damit einfach ignoriert werden. 

Besser so: offen schwul
als so: bekennend schwul

Ein Bekenntnis ist dann angebracht, wenn man sich etwas eingesteht, eine Tat offen zugibt, sich als schuldig oder gläubig bekennt, Homosexualität ist nichts davon. Die Verwendung „bekennend schwul” zeugt vor allem von einem verkrampften Umgang mit Homosexualität und zwar bei der Person, die die Formulierung verwendet.

Besser so: offen lesbisch
als so: überzeugte Lesbe

Eigentlich sollen doch Frauen beschrieben werden, die selbstbewusst und geoutet lesbisch leben. Gibt es überhaupt nicht so überzeugte Lesben? Na also. Oder denken Sie, es gibt Lesben, die nur noch nicht den richtigen Mann getroffen hätten, also noch überzeugt werden könnten oder gar müssten? Dann ist der Schritt zur Legitimation von Übergriffigkeit und sexualisierter Gewalt nicht mehr weit. 

Besser so: Coming-out
als so: Outing

Auch wenn die Begriffe mittlerweile häufig synonym verwendet werden, unterscheiden sie sich. Coming-out beschreibt den Prozess, in dem eine Person sich selbst über ihr Geschlecht und/oder über ihre sexuelle Identität bewusst wird (inneres Coming-out) oder wenn sie beginnt, mit anderen darüber zu sprechen (äußeres Coming-out). Outing hingegen bedeutet, dass eine andere Person vor Menschen oder der Öffentlichkeit die sexuelle Orientierung oder das Geschlecht einer queeren Person öffentlich macht. Häufig passiert das gegen den Willen der Person. Wenn eine queere Person sich selbst dazu äußert, heißt es Coming-out. Geht es darum, dass eine andere Person das öffentlich macht, heißt es Outing.

Formulierungshilfen fürs Berichten in der Einwanderungsgesellschaft

 

Begriffe, die Medien ruhig häufig verwenden können

Antimuslimischer Rassismus bezeichnet die Diskriminierung von Menschen, die aufgrund ihrer tatsächlichen oder auch bloß zugeschriebenen Religionszugehörigkeit als Muslim*innen erfahren. Im Vergleich zu den Begriffen Islamophobie oder Islamfeindlichkeit verweist die Bezeichnung antimuslimischer Rassismus auf das tatsächliche Problem: eine rassistische Vorstellung von Muslim*innen als homogene Gruppe, der bestimmte (zumeist negative) Eigenschaften zugewiesen werden und die als fremd eingeordnet wird.

Asiatische Deutsche wird als politische Selbstbezeichnung von vielen Menschen verwendet, die als asiatisch wahrgenommen werden. Der Begriff bezieht sich explizit nicht auf bestimmte Länder, Kulturen oder geografische Grenzen. Es ist ein Sammelbegriff, mit dem sich eine Vielzahl Asiatischer Deutscher gemeinsam positioniert und solidarisiert, um gegen Rassismus und für gesellschaftliche Teilhabe einzutreten. Antiasiatischer Rassismus in Zeiten der Corona-Pandemie zeigt dabei lediglich eine Facette existierender Rassismen gegen Asiatische Deutsche auf.

Deutsche ohne Migrationshintergrund ist der korrekte Gegensatz zu Menschen mit Migrationshintergrund. Ist nur von „Deutschen“ die Rede, sind Deutsche mit Migrationshintergrund schließlich selten eingeschlossen – obwohl sie natürlich dazugehören müssten.

Einwanderungsgesellschaft beschreibt Deutschland als Einwanderungsland: Menschen wandern ein und werden Teil der heimischen Bevölkerung. Da aber längst nicht alle, die kommen, ihr Leben lang bleiben (wollen) und außerdem viele Deutsche ins Ausland ziehen, kann auch von einer Migrationsgesellschaft gesprochen werden.

Hasskriminalität/Hassverbrechen, deutsch für Hate-Crime, bezeichnet Gewalt- und Straftaten, die z.B. durch Rassismus, religiöse Intoleranz, Queerfeindlichkeit und ähnlichem motiviert sind. Der Begriff Hasskriminalität ist sinnvoll zur Benennung von Straftaten, wenn die Betroffenen von den Täter*innen als „anders“ und nicht als gleichwertige Menschen angesehen werden. In der Kriminologie werden die Fachbegriffe Vorurteilskriminalität und Vorurteilsverbrechen benutzt. Wissenschaftlich formuliert wäre das Motiv gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Israelbezogener Antisemitismus bezeichnet antisemitische Handlungen oder Äußerungen gegenüber oder in Bezug auf Israel, dessen Politik oder Bürger*innen; wenn z.B. dem Staat Israel unterstellt wird, als heimlicher Drahtzieher der Weltpolitik zu agieren oder, wie im sekundären Antisemitismus, die israelische Politik gegenüber Palästina mit der des Nationalsozialismus gleichgesetzt wird. Diese Form antisemitischer Gesinnung findet sich sowohl bei linken und rechten Gruppierungen wieder, bei Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.

Menschen aus Einwanderer*innenfamilien beschreibt keine statistische Größe, sondern das, worum es geht: um Menschen, die selbst oder deren Vorfahren eingewandert sind. Eine gegenderte Alternative ohne Genderstern ist Eingewanderte und ihre Nachkommen.

People of Color (PoC) ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrung, die nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden oder sich selbst nicht so definieren. PoC sind nicht unbedingt Teil der afrikanischen Diaspora, ursprünglich ist der Begriff u.a. zur Solidarisierung mit Schwarzen Menschen entstanden. Schwarz, weiß und PoC sind politische Begriffe. Es geht nicht um Hautfarben, sondern um die Benennung von Rassismus und Machtverhältnissen in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft. Inzwischen wird häufig von BPoC (Black and People of Color) gesprochen, um Schwarze Menschen ausdrücklich einzuschließen. Singular: Person of Color. Seltener kommt hierzulande die Erweiterung BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) vor, die explizit auch indigene Menschen mit einbezieht.

 

Begriffe, auf die Medien gern verzichten können

Asylanten ist negativ konnotiert. Der Begriff wird häufig  dann verwendet, wenn Geflüchtete als Bedrohung oder Belastung betrachtet werden und nicht als Schutzsuchende.
Weitere Alternativen: Asylsuchende, exilierte Menschen, je nach Status auch
Asylberechtigte, geschützte Personen uvm.

Clan-Kriminalität ist ein stigmatisierender Begriff, der ganze Familien von Einwanderer*innen, auch Kinder, Großeltern und andere Verwandte als kriminell bezeichnet.
Zutreffender ist es, von organisierter Kriminalität oder von Bandenkriminalität zu berichten.

Flüchtlingskrise ist ein häufig benutztes Schlagwort in der Asyldebatte. Es sagt aus, dass es eine Krise wegen geflüchteter Menschen gäbe, und weist die Verantwortung den Schutzsuchenden zu, anstatt die Ursachen für Probleme z. B. im Versagen deutscher Politik oder Strukturen zu suchen. Entsprechend könnte auch von einer Krise der Asylpolitik oder neutraler von Fluchtmigration oder Fluchtbewegung die Rede sein.

Fremdenfeindlichkeit ist als Synonym für Rassismus und rassistische Tatmotive ungenau, da es fast nie um tatsächliche Fremde wie etwa Tourist*innen geht. Von der vermeintlichen „Fremdenfeindlichkeit“ sind oft Einheimische betroffen. Wer Angriffe auf Eingewanderte und ihre Nachkommen als „Fremdenfeindlichkeit“ oder „Ausländerhass“ bezeichnet, übernimmt die Sichtweise der rassistischen Täter*innen. Präziser ist es, die Straftaten und Motive als rassistisch, rassistisch motiviert, rechtsextrem, rechtsterroristisch oder neonazistisch zu bezeichnen.

Integrationsverweigerer steht für die diffuse Vorstellung, dass Einwanderer*innen die deutsche Gesellschaft, ihre Werte und Gesetze ablehnen würden. War früher noch die Rede von Menschen mit „Integrationsbedarf“ und „Integrationsproblemen“, wurden daraus später „Integrationsunfähige“ und „Integrationsunwillige“. Daran wird deutlich, dass Eingewanderten und ihren Nachkommen oft eine willentliche und aktive Abgrenzung unterstellt wird, was jedoch sehr selten der Fall ist. Studien verweisen auf einen Mangel an Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit und fehlende oder erschwerte Möglichkeiten zur Partizipation.

Meinungsdiktatur herrscht in Deutschland zwar nicht (Art. 5 GG Meinungsfreiheit), in rechten Kreisen wird trotzdem oft bemängelt, man könne seine Meinung nicht mehr frei äußern. Dahinter steckt meistens die Strategie, rassistische und menschenfeindliche Aussagen zu relativieren und Fortschritte in Sachen diskriminierungskritscher Sprache zu diskreditieren.

Rasse ist seit dem Nationalsozialismus („Rassengesetze“) ein Unwort in Deutschland, das im Sprachgebrauch eigentlich nicht mehr üblich ist. Dennoch existiert es in zahlreichen Gesetzestexten wie dem Grundgesetz („Niemand darf wegen ... seiner Rasse ... benachteiligt oder bevorzugt werden.“). Derzeit wird in der Politik debattiert, den Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu streichen. In der Berichterstattung taucht er mitunter auf, wenn Rassismus-Debatten aus den USA wiedergegeben werden. Doch Begriffe wie „Rassenunruhen“ (race oder ethnic riots) oder „Rassenbeziehungen“ (race relations) sollten nicht wortwörtlich übersetzt werden. Der Begriff „race“ hat in den USA einen Bedeutungswandel durchlaufen und steht anders als im Deutschen nicht mehr in Verbindung mit der Rassenlehre, sondern dient der Beschreibung und Analyse rassistischer Strukturen. Alternativen wären, neben Rassismus-Debatten, auch Unruhen wegen Rassismus-Vorwurf u.ä.

Staatsfunk ist eine diffamierende und faktisch falsche Bezeichnung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. In Deutschland wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk nach dem Solidarprinzip durch Rundfunkgebühren finanziert, um seinen Informationsauftrag unabhängig von Staat und Regierung zu erfüllen.

Parallelgesellschaft ist ein Schlagwort, das Anfang der 2000er Jahre in der Debatte  um Muslim*innen in Deutschland populär wurde. Der Begriff ist inhaltlich diffus und wird verbunden mit vermeintlich „gescheiterter Integration“. Er zeichnet ein Bild homogener Minderheiten, die sich räumlich, sozial und kulturell von der Mehrheitsbevölkerung abschotten. Ihnen wird „Integrationsunwilligkeit“ unterstellt, ohne zu berücksichtigen, dass für Integration die gesamte Gesellschaft verantwortlich ist. Zudem ist für einen hohen Anteil von Einwanderer*innen in manchen Stadtteilen oft eher der Wohnungsmarkt ursächlich als ein Hang zu innerethnischen Nachbarschaften.

Z*** ist eine Fremdbezeichnung und wird von Angehörigen der Roma-Minderheiten abgelehnt. Die verunglimpfende Bezeichnung hat ihren Ursprung im Mittelalter, hält sich allerdings bis heute hartnäckig im öffentlichen Sprachgebrauch. Der Begriff schreibt der vielfältigen Minderheit negative, teilweise romantisierende und in jedem Fall rassistische Stereotype zu. Sogar Soßen und Schnitzel werden noch nach dem Schimpfwort benannt. Und das, obwohl hunderttausende Sinti*ze und Rom*nja im Nationalsozialismus mit „Z“ markiert und in Konzentrationslagern umgebracht wurden. Das ist auch der Grund, warum viele Angehörige der Roma-Minderheiten die Abkürzung „Z-Wort“ (analog zu „N-Wort“) ablehnen. Übrigens sind Sinti*ze und Rom*nja schon seit Jahrhunderten in Deutschland zuhause, viele Angehörige der Minderheit sind autochthone Deutsche und keine Menschen mit Migrationshintergrund.

 

Viele weitere Formulierungshilfen, Erläuterungen und alternative Begriffe für die Berichterstattung in der Einwanderungsgesellschaft gibt es online im NdM-Glossar.

Checkliste für genderbewusstes Schreiben

Lange Zeit war es üblich, alles in der männlichen Form zu schreiben. Dann kamen der Schrägstrich und das dazwischen gestellte große I. Jetzt haben wir Gendersternchen, Gender-Gap und Gender-Doppelpunkt. Das klingt für manche verwirrend, ist aber in der Praxis ganz einfach. Mit etwas Kreativität und diesen Tipps fällt genderbewusstes Schreiben leicht.

Seien Sie konkret.

Wer das Geschlecht der Person kennt, über die oder sie berichtet, kann dies auch ruhig nennen und mit korrekten Personenbezeichnungen arbeiten. Eine Journalistin ist weder ein Journalist, noch eine Journalist*in. Besonders wichtig ist das bei Abbildungen auf Fotos oder Videomaterial.

Weg vom Personalisieren.

Nennen Sie die Tätigkeit und nicht eine Person, die etwas tut. Gendersternchen, Binnen-I und Doppelnennungen braucht es dann nicht. Schreiben Sie zum Beispiel „alle, die Moped fahren” statt „alle Mopedfahrer*innen”.

Arbeiten Sie mit Partizipien.

Die Verwendung von Partizipien ist eine weitere Möglichkeit, Personenbezeichnungen zu umgehen. „Herausgegeben von“ trifft die Sache und macht den „Herausgeber“ überflüssig. „Geschrieben von“ ersetzt den „Autor“.

Wählen Sie geschlechtsneutrale Oberbegriffe.

Die deutsche Sprache ist reich an Begriffen, die nicht auf ein bestimmtes Geschlecht festgelegt sind. Nutzen Sie sie! Ein paar Beispiele: 

  • Menschen und Leute
  • Beschäftigte und Team
  • Anwesende und Studierende
  • Fach- und Lehrkräfte
  • Eltern und Geschwister
  • Medizinisches Personal
  • Medienpersonal

Nutzen Sie Relativsätze.

Fahrradfahrer sollten einen Helm tragen. Fahrradfahrerinnen aber auch. Deshalb formulieren sie doch gleich: Wer Fahrrad fährt, sollte einen Helm tragen.

Schreiben Sie für die Zielgruppe.

Nutzen Sie Genderzeichen wie den Genderstern, wenn es für die Menschen passt, die Sie mit Ihren Gedanken erreichen wollen oder wenn es zu Ihrem Medium passt.

Vorsicht vor Doppelnennungen.

Die Nennung der weiblichen und männlichen Form kann in einem längeren Text am Anfang vorkommen. Und später dann vielleicht noch einmal, sofern diese Doppelnennungen passen. Aber Achtung: Doppelnennungen schließen Menschen jenseits der binären Geschlechternorm aus. Wer nur die männliche und weibliche Form nutzt, sollte sich auch sicher sein, dass nur Männer und Frauen gemeint sind.

Hinterfragen Sie Rollenklischees.

Wenn eine Doppelnennung zur Gruppe passt, die Sie beschreiben, setzen Sie damit doch mal Überraschungseffekte: Chefärztinnen und Oberärzte oder Expertinnen und Laien.

Achten Sie auf den Lesefluss.

Haben Sie Ihren Text schon mal laut vorgelesen? Hört er sich durch das Gendern holprig an? Was Sie sagen wollen, können Sie sicher auch anders ausdrücken. Probieren Sie es aus.

Vermeiden Sie das generische Maskulinum.

Die Zeit der ausschließlich männlichen Formen ist vorbei. Denn zahlreiche Studien belegen: Bei einer männlichen Bezeichnung haben die meisten Menschen einen Mann vor Augen.

Spielen Sie mit der Sprache.

Seien sie deshalb kreativ und probieren Sie verschiedene Wege aus, um herauszufinden, welcher Stil zu Ihnen und zu Ihrem Publikum passt. Die eine richtige Art zu gendern gibt es nicht. Hauptsache, Sie zeigen in Ihrem Text, wer die Person ist, um die es geht.

Mehr Tipps und Tools zum Gendern finden Sie auf www.genderleicht.de

Good Practice: Diese Medien gendern bereits

In Radio- und Fernsehnachrichten ist immer häufiger von „Menschen” die Rede – gemeint als geschlechtsneutraler Oberbegriff. In vielen Medien gibt es häufiger Beidnennungen zu hören und zu lesen. Auch Partizipialkonstruktionen wie „Studierende” und „Demonstrierende” kommen vor. Gelegentlich tauchen ein Gendersternchen oder ein Gender-Doppelpunkt auf.

ZEIT ONLINE gendert kreativ, je nachdem, was passt, während ze.tt, das junge Ressort bei Zeit-Online, schon seit Langem das Gendersternchen nimmt. In der taz und vielen anderen Zeitungen und Zeitschriften finden sich dezente Genderbeispiele. Nahezu unauffällig sorgen sie für mehr Geschlechtergerechtigkeit in ihrer Berichterstattung in Wort und Bild. Über diese Art des Genderns regt sich niemand mehr auf.

Die Redaktion von bento, das inzwischen eingestellte junge Angebot von Spiegel Online, hat so wie viele andere Medien für junge Zielgruppen, wie funk oder PULS vom Bayrischen Rundfunk, ebenfalls früh mit dem Gendern begonnen: „… indem wir zu Beginn eines Beitrags zunächst beide Formen verwenden, die männliche und die weibliche. Im Laufe des Beitrages wechseln wir, so dass Politikerinnen und Politiker, Erzieherinnen und Erzieher nebeneinander in unseren Texten vorkommen – genau, wie in der Realität.“

Auch die Nachrichten von Deutschlandfunk Nova werden oft mit Gender-Gap gesprochen. Seit dem 1. September 2020 hat Radio Fritz vom rbb das Sprechen mit der Gender-Lücke zum Standard gemacht. Diesen Ministop vor der weiblichen Endung hören Sie gelegentlich auch in anderen Hörfunksendungen, meist in denen mit einem jüngeren Publikum.

In dem ein oder anderen Radiosender wird spielerisch gegendert, mit Varianten von Beidnennungen. Moderator*innen nutzen ihre sprachliche Fantasie, um ihr Zielpublikum passend anzusprechen.

Viele Redaktionen haben über geschlechtergerechte Sprache diskutiert und ob und wie das generische Maskulinum vermieden werden kann. Der Spiegel empfiehlt in seinen Richtlinien für redaktionelles Arbeiten seit Anfang 2020, darauf zu verzichten.

Die Frankfurter Rundschau hat sich im September 2020 für den Gender-Doppelpunkt entschieden. Das Deutschlandradio hat Empfehlungen für geschlechtergerechte Sprache veröffentlicht. SWR2 Wissen weist Autor*innen in einem Leitfaden auf die Methode Genderleicht hin.

Im Januar 2021 hat sich der Berliner Tagesspiegel Leitlinien zum Gendern gegeben. Seit April 2021 will der Bonner Generalanzeiger „fantasievoll und stilistisch flexibel” für Geschlechtergerechtigkeit sorgen und die Mainpost aus Würzburg überlässt seit Juli 2021 ihren Autor*innen, ob sie das generische Maskulinum umgehen wollen oder nicht.

Auch in ARD und ZDF ist Bewegung. Anne Will spricht mit Beidnennung oder Lücke. ZDF-heute-Moderatorin Petra Gerster tat es bis zu ihrem Abschied in den Ruhestand Ende Mai 2021, ihre Nachfolgerin Jana Pareigis tut es auch. Claus Kleber setzt ihn ab und an im heute-journal ein, genauso wie Ingo Zamperoni in den Tagesthemen. Auch in Tagesschau-Berichten ist das „Sprechen mit Lücke” gelegentlich zu hören.

Einer der ersten, der sich von der Richtigkeit des Genderns vor der Kamera überzeugt gezeigt hat, war Anfang 2020 ZDF-aspekte-Moderator Jo Schück. Der NDR gendert seit drei Jahren, der Hessische Rundfunk seit Anfang Juni 2019.

Wenn ich geschlechtsneutral formuliere, komme ich kurz und knackig zum Ziel, was beim Texten fürs Fernsehen wichtig ist. Wenn ich „Studierende“, „Beschäftigte“ oder einfach „das Plenum“ sage, passt das für alle, oder wenn ich „Menschen“ sage anstelle von Zuschreibungen für Männer und Frauen und alle Geschlechter. Dasselbe gilt für „Personen“, das ist doch auch schön kurz. Die meisten, mit denen ich in den Redaktionen spreche, geben uns das Feedback, dass es toll ist, sich mal wieder mit Sprache zu beschäftigen und zu hinterfragen, wie habe ich bisher getextet?”
Nicole Schmutte, Beauftragte für Gleichstellung und Diversity des NDR

Gastbeitrag: Leichter Gendern

Gendern beginnt bei der Recherche

von Christine Olderdissen

Jana Pareigis, Ingo Zamperoni und Rudi Cerne: sie alle gendern. Jana Pareigis hat auch in ihrer Haltung zum Gendern die Nachfolge von Petra Gerster angetreten: sie nutzt die Minilücke. ARD-Moderator Ingo Zamperoni spricht in den Tagesthemen mit Beidnennung über Männer und Frauen. Selbst Rudi Cerne korrigiert bei „Aktenzeichen XY …ungelöst“ seine Sätze schon mal mit: „ … oder die andere“.

Viele Journalistinnen und Journalisten bemühen sich, Frauen sprachlich besser abzubilden. Oftmals herrscht Unsicherheit bei der Benennung von trans*-, intergeschlechtlichen und nicht-binären Personen. Genderzeichen wie Stern, Doppelpunkt und Unterstrich sind der Versuch einer inklusiven Sprache, genauso wie die Verwendung von Partizipien. Doch diese sprachlichen Mittel erregen die Gemüter. Petra Gerster berichtete in Interviews, dass sie zu Anfang ihres gut hörbaren Genderns bis zu 60 Protestbriefe am Tag erhielt. Es sind vor allem ältere Leute, die sich über diesen Umgang mit Sprache ärgern.

Geschlechtergerecht texten geht mit und ohne Genderstern

Das generische Maskulinum ist jedoch nur eine sprachliche Konvention, es soll für alle gelten. Seitdem es stark in der Kritik ist, funktioniert dies immer weniger. Bei einer Meldung wie: „Erzieher gehen für bessere Gehälter auf die Straße“ ist die Frage naheliegend: Verdienen nur Männer in den Kitas zu wenig Geld?

Um dem Journalismus Impulse zu mehr Geschlechtergerechtigkeit zu geben, hat der Journalistinnenbund e.V. Ende Juni 2019 die Website Genderleicht.de gelauncht. Dank einer zweieinhalbjährigen Projektförderung durch das Bundesfrauenministerium haben wir sie zu einem umfangreichen Webportal ausgebaut und zeigen: geschlechtergerecht texten geht mit und ohne Genderstern.

Genderdebatte im Homeoffice

Als wir Anfang 2020 von einem ZDF-Mitarbeiter gefragt wurden: „Wer gendert denn schon?“ nannten wir die Online-Formate bento, ze.tt und Deutschlandfunk Nova, feministische Magazine und den NDR. Ende 2020 haben wir zum „Jahr des Genderns“ erklärt, so viel war passiert: Im Januar sprach Aspekte-Moderator Jo Schück im ZDF das erste Mal mit Lücke, im Heute-Journal amüsierte sich Claus Kleber an seinen Gendersprechversuchen. Ab Mai fiel auf, dass Anne Will seit einiger Zeit so spricht, andere machten es ihr nach. Auch in den Nachrichten bei Radio Fritz vom rbb ist seit 1. September 2020 der Glottisschlag zu hören. 

Das Jahr des Genderns war auch das Coronajahr: Vom Homeoffice aus organisierten Redaktionen für Tageszeitungen, Wochenzeitungen, Talkshows, Mediensendungen und Kulturmagazine die Genderdebatte. Mal waren es Meinungsäußerungen von Schriftstellerinnen und anderen, die mit Sprache arbeiten. Mal erhielt die Linguistik Gelegenheit, Pro und Contra darzulegen. Seit mehr als 30 Jahren ist sie mit der Frage befasst: „Wie männlich ist die deutsche Sprache?“ Mal gab es Rede und Gegenrede aus der Redaktion mit der Aufforderung ans eigene Publikum, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Eine Zeitenwende im deutschsprachigen Journalismus

Während die Wogen hochkochten, angefeuert von den Medien, machten sich hinter den Kulissen die Redaktionen Gedanken, wie sie zu mehr Geschlechtergerechtigkeit gelangen. Für 2021 können wir feststellen: Die konservativen Printmedien würden den Genderstern nie nutzen, die Frankfurter Rundschau dagegen setzt auf den Gender-Doppelpunkt. Der Tagesspiegel und der Bonner Generalanzeiger nutzen die vielen anderen Möglichkeiten geschlechtergerecht zu texten. Im Sommer 2021 hat die Zeitschrift GEO ihre Pro-Gendertechniken erklärt. Viele Sender sind aufgrund des Gemeckers ihrer Publikums leicht zurückgerudert: Genderstern lieber nur gegenüber  der jungen Zielgruppe – und in Social Media.

Eine Zeitenwende setzte im Juni 2021 ein, als die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen die Absicht verkündeten, „diskriminierungssensibler“ zu berichten und „das generische Maskulinum zurückdrängen“ zu wollen. Das Reizwort Gendern haben sie fein vermieden, es geht um mehr. #Metoo, #Metwo und die Debatte um #BlackLivesMatter erhöhen den Druck, die Wortwahl von Phrasen zu befreien und feinfühliger mit Worten umzugehen.

Nachschulung in journalistischer Schreibe

Die Genderdebatte hat eine Nachschulung in journalistischer Schreibe gebracht: Es gilt männliche Berufs- und Personenbezeichnungen zu hinterfragen: Wer ist gemeint? Welche Geschlechter sind angesprochen? Kann ich geschlechtsneutral formulieren, oder sollte ich Frauen und überhaupt alle Geschlechter ausdrücklich erwähnen? Diese Botschaft ist bei Vielen angekommen.

„Gendern beginnt bei der Recherche“ ist unser Motto. So sieht es auch Der Spiegel, er hat nachgezählt: Von März 2020 bis Februar 2021 berichtete er über 107.000 Männer und 28.000 Frauen. Schockiert über das Ergebnis formulierte Chefredakteur Steffen Klusmann die Devise: „Es gibt ja längst genügend Politikerinnen, Unternehmenschefinnen, Wissenschaftlerinnen, Lehrerinnen, Ärztinnen, Historikerinnen. Zu unserem Job gehört es, sie zu entdecken.“

Laut Pressekodex gilt es im Journalismus wahrhaftig und sorgfältig zu berichten. Zum journalistischen Handwerk gehört es, Frauen sichtbar zu machen, sie als Gesprächspartnerinnen vor die Mikrofone zu holen und – ohne sexistischen Blick – auf Augenhöhe über sie zu berichten.

Christine Olderdissen ist Projektleiterin bei Genderleicht.de, das Webportal des Journalistinnenbunds für gendersensible Medienarbeit.

Gastbeitrag: Medien und Menschen mit Behinderung

Es braucht mehr als Mitleid und Bewunderung

von Judyta Smykowski

Zu oft entscheiden in Redaktionen nichtbehinderte Journalist:innen, wie über behinderte Menschen berichtet wird. Sie prägen das Bild von Behinderung. Das Problem: Vorurteile und Berührungsängste sind Teil der Berichterstattung. Immer wieder verkennen Medienschaffende die damit einhergehende Verantwortung. Wenn wir Journalist:innen in allen Berichten und Artikeln über Menschen mit Behinderung die Diagnose wegließen - was bliebe übrig von der Geschichte? Ist die Behinderung der ausschlaggebende Punkt, warum wir berichten?

Hoffentlich nicht. Denn: eine Behinderung ist nur ein Teil der Identität einer Person. Sie kann einen spannenden Beruf, ein Ehrenamt oder eine interessante Familiengeschichte haben. Gleichzeitig geht es nicht darum, die Behinderung zu verheimlichen oder zu beschönigen. Aktuell gibt es noch zu viele Berichte, in denen nur die Frage gestellt wird, wie es sich mit Behinderung xy lebt. Der Ansporn sollte sein, weg von emotionalisierenden Storys hin zu konstruktiven Geschichten zu gehen, an die die gesamte Gesellschaft anknüpfen kann.

Menschen leiden nicht an einer Behinderung, sondern leben mit ihr

Die Berichterstattung über behinderte Menschen fußt auf den in der Gesellschaft verbreiteten Blicken auf Behinderung. Besonders kommt der bemitleidende oder bewundernde Blick vor. Doch Mitleid oder Bewunderung sind aus Eigensicht der Protagonist:innen häufig fehl am Platz. Denn häufig reicht es schon, mit einer Behinderung zu leben und alltägliche Dinge zu tun, um eine der beiden Reaktionen hervorzurufen.

Ein Problem marginalisierter Gruppen ist auch, dass Aussagen von Einzelnen häufig auf die gesamte Gruppe übertragen werden. Eine Person kann sich nach einem Unfall ‘an den Rollstuhl gefesselt’ fühlen, aber es bedeutet nicht, dass dies für alle Rollstuhlfahrer*innen gilt. Für viele ist ein Rollstuhl vor allem die Möglichkeit, von A nach B zu kommen. Trotzdem hält sich diese Floskel im Sprachgebrauch hartnäckig.

Auch “An einer Behinderung leiden” ist ein gängiger Ausdruck in der deutschen Sprache. Dabei leiden die Menschen vielleicht gar nicht, sondern leben mit der Behinderung. Vielmehr leiden sie unter Barrieren und Diskriminierung.

Hier sollten Journalist*innen viel öfter in der Berichterstattung anknüpfen: Nicht nur berichten, welche Diagnose, Lebenserwartung oder etwaige Leiden eine Person mit Behinderung hat, sondern gerade auch, auf welche physischen und gesellschaftlichen Barrieren sie trifft und was wir als Gesellschaft tun können, um diese Barrieren aufzubrechen.

Behinderung beim Namen nennen

Behinderung sollte beim Namen genannt werden. Begriffe wie “Handicap” oder “Besondere Bedürfnisse” sind der Versuch, die Unsicherheiten zu verschleiern, obwohl doch gerade Journalist*innen das Rüstzeug in der Hand haben, diese Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen: recherchieren, die Protagonist*innen zu Wort kommen zu lassen und nach Eigenbezeichnungen fragen. 

In der Bildsprache ist als Symbol für Behinderung der Rollstuhl präsent. Wahlweise mit nichtbehindertem Model, das man leicht an den zu hohen Knien im Sitzen erkennt oder gleich ohne Person, inszeniert unter oder vor einer Treppe.Wir brauchen authentische Bilder von behinderten Menschen, die auch nur entstehen können, wenn sich Fotograf:innen und die Menschen, die abgelichtet werden, austauschen.

Perspektiven wahrnehmen und sich selbst zurücknehmen

Sensibel mit der Sprache und Bildsprache umzugehen reicht nicht. Die Forderungen nach Diversität in den Redaktionen werden immer lauter, doch Menschen mit Behinderung werden in diesem Diskurs oft nicht mitgemeint, was nicht länger hinnehmbar ist. Diversität muss endlich alle marginalisierten Gruppen einschließen.

Es ist Besserung in Sicht: die jungen Portale der Medienhäuser wie funk oder ze.tt machen Diversität häufiger zum Thema. Doch es mangelt an nachhaltigen Programmen für die Nachwuchsförderung. Es muss Menschen in den Redaktionen geben, die Zugänge schaffen für junge Kolleg:innen mit Behinderung. Das fängt bei der Rampe vor dem Redaktionsgebäude an, aber muss vor allem in der Bereitschaft münden, die Perspektiven wahrzunehmen und sich selbst zurückzunehmen. 

Judyta Smykowski leitet die Redaktion vom Online-Magazin und Podcast “Die Neue Norm” und berät im Rahmen ihrer Arbeit bei Leidmedien.de Journalist:innen und Filmschaffende zur klischeefreien Sprache und Erzählweisen zu behinderten Menschen. 

Judyta Smykowski leitet die Redaktion vom Online-Magazin und Podcast “Die Neue Norm” und berät im Rahmen ihrer Arbeit bei Leidmedien.de Journalist*innen und Filmschaffende zur klischeefreien Sprache und Erzählweisen zu behinderten Menschen.

Was ist Leichte Sprache?

Leichte Sprache ist eine vereinfachte Form der deutschen Sprache. 
Das Ziel ist: Alle Menschen sollen sie verstehen können. 
Denn nur so können alle Menschen mitreden und mitbestimmen.
Man kann in Leichter Sprache sprechen.
Und man kann Texte in Leichter Sprache schreiben.

Wer braucht Leichte Sprache?

Johanna von Schönfeld ist 30 Jahre alt.
Sie hat das Down-Syndrom.
Sie wünscht sich mehr Angebote in Leichter Sprache. 
Sie sagt: "Bei Vielem kann ich gar nicht mitreden. 
Ich brauche, dass mir das jemand in Leichter Sprache erklärt, was es bedeutet. 
Weil es mich beschäftigt, was mit der Welt ist.“

Leichte Sprache brauchen:

  • Menschen mit Lern-Schwierigkeiten
  • Menschen, die wenig Deutsch sprechen oder Deutsch noch lernen
  • Menschen mit Lese-Schwierigkeiten
  • Menschen mit Demenz

Und viele andere Menschen.
Das sind in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen.

Aber:
Bisher gibt es keinen Rechts-Anspruch auf Leichte Sprache.
Das bedeutet: Der Staat übernimmt nicht die Kosten für eine Übersetzung oder eine Dolmetschung in Leichte Sprache.
Und es bedeutet: Auftraggeber*innen entscheiden: 
Was wird in Leichte Sprache übersetzt? 
Und was nicht?
Die Nutzer*innen entscheiden es nicht selbst.

 

Das sind die 16 wichtigsten Regeln für Leichte Sprache

  1. Die Sätze sind kurz.
  2. Es gibt keine Neben-Sätze.
  3. In jedem Satz steckt nur eine Information.
  4. Leichte Sprache benutzt Wörter, die alle Menschen kennen.
  5. Für dieselbe Sache wird immer dasselbe Wort benutzt.
  6. Leichte Sprache benutzt keine Abkürzungen.
  7. Schwierige Wörter werden erklärt.
  8. Lange Wörter werden mit einem Binde-Strich getrennt.
  9. Oder mit dem Medio·punkt.
  10. So kann man sie leichter und schneller lesen.
  11. Leichte Sprache benutzt viele Verben. 
  12. Leichte Sprache ist eine aktive Sprache. 
  13. Der Passiv wird in der Leichten Sprache nicht benutzt.
  14. Leichte Sprache verzichtet auf den Genitiv und den Konjunktiv.
  15. Leichte Sprache benutzt keine Rede-Wendungen und Metaphern, also Sprach-Bilder.
    Oder sie werden erklärt. 
  16. Leichte Sprache beschreibt etwas so genau wie möglich.
    Dafür werden Beispiele benutzt.

 

Wie gendert man in Leichter Sprache?

In den ersten Regel-Werken für Leichte Sprache stand noch:
In Leichter Sprache wird nicht gegendert. 
Man benutzt nur die männliche Form.
Denn sie ist kürzer.
Und man kann sie oft leichter lesen.
Aber viele Nutzer*innen der Leichten Sprache finden:
Man muss auch in der Leichten Sprache gendern.
Nur dann fühlen sich alle Menschen angesprochen.
Für das Gendern in Leichter Sprache kann man verschiedene Sonder-Zeichen benutzen.
Zum Beispiel das Gender-Sternchen.
Das sieht so aus: *.
Oder den Doppel-Punkt.
Oder den Gender-Gap.
Der sieht so aus: _.
Wichtig ist aber:
Man muss die Sonder-Zeichen erklären.
Man muss erklären:
Was bedeutet dieses Sonder-Zeichen?
Warum wird es benutzt?
Dann können auch Nutzer*innen der Leichten Sprache diese Texte gut verstehen.

Welche Medien-Angebote gibt es in Leichter Sprache?

Medien-Angebote sind zum Beispiel:
Internet-Seiten, Zeitungen und Zeitschriften, Radio-Sendungen und Podcasts, Fernseh-Sendungen und Bücher.
In der UN Behindertenrechts-Konvention steht:
Alle diese Medien-Angebote muss es auch in Leichter Sprache geben.

Aber:
Bis jetzt gibt es nur wenige Medien-Angebote in Leichter Sprache.
Es gibt vor allem Informationen über Politik in Leichter Sprache.
Oder Gesetze und Verträge.
Texte zu vielen anderen Themen gibt es nicht in Leichter Sprache.
Es gibt nur wenig Texte, die man zum Spaß liest.
Und es gibt keine täglichen Nachrichten in Leichter Sprache.
Nachrichten in Leichter Sprache kann man bis jetzt nur einmal pro Woche lesen.

Was ist Einfache Sprache?

Neben der Leichten Sprache gibt es die Einfache Sprache. Die Einfache Sprache hat weniger Regeln als die Leichte Sprache. Darum ist es einfacher komplizierte Themen zu erklären, weil man auf weniger Vorschriften achten muss. Bei der einfachen Sprache kann man viele Informationen in einen Satz schreiben und er muss nicht sehr kurz sein.

Viele Leute verstehen einfache Sprache sehr gut, zum Beispiel Kinder, Menschen die nicht gut Deutsch sprechen, Menschen mit einer Lese-Rechtschreibschwäche, Tourist*innen oder Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Das sind einige Richtlinien, die es für Einfache Sprache gibt

  1. Schreiben und sprechen Sie kurze und präzise Sätze. Es können Nebensätze vorkommen. Die Nebensätze sollten nicht mehr als ein Komma haben. 
  2. Formulieren Sie Sätze so, dass ein Satz nur einen einzigen Gedanken erklärt.
  3. Benutzen Sie Tun-Wörter im Aktiv statt im Passiv. So schreiben Sie einen Aktivsatz. Ein Passivsatz wird so geschrieben
  4. Verzichten Sie auf Negationen. Also schreiben Sie nicht: “Ich bin nicht hungrig, sondern “Ich bin satt!” oder schreiben Sie nicht “Sie ist kein Mann”, sondern “Sie ist eine Frau”.
  5. Vermeiden Sie Fremdwörter. 
  6. Erklären Sie Begriffe, die schwer zu verstehen sind. 
  7. Vermeiden Sie sprachliche Stilmittel. Dazu gehören Ironie oder Sprichwörter. Sprachbilder müssen Sie erklären.
  8. Verwenden Sie keine Synonyme. Also beschreiben Sie dieselbe Sache immer nur mit demselben Wort. Andere Wörter für dieselben Dinge sind Synonyme und sind schwerer zu verstehen. 
  9. Schreiben Sie Abkürzungen aus.

 

Hier kann man Nachrichten in Leichter und einfacher Sprache lesen

  • Bei www.nachrichtenleicht.de kann man einmal pro Woche Nachrichten in einfacher Sprache lesen.
    Man kann sie sich vorlesen lassen.
    Und man kann Erklärungen für schwierige Wörter nachlesen.
  • Die Zeitung Augsburger Allgemeine bietet einmal pro Woche Nachrichten in Leichter Sprache an.
    Die Nachrichten sind von Prüfer*innen geprüft.
  • Der Spaß am Lesen Verlag macht Bücher in Leichter und Einfacher Sprache.
    Es gibt viele Bücher zur Auswahl.
  • Die Sender NDR, SR und MDR bieten Nachrichten aus ihrem Gebiet von Deutschland an.
    Man nennt das auch Regional-Nachrichten.
    Die Nachrichten sind in Leichter oder einfacher Sprache.
  • Die Internetseite Einfach queer informiert über die Themen Geschlecht und Sexualität.
  • Die beiden Zeichnerinnen Simone Fass und Inga Kramer machen Zeichnungen für Leichte Sprache.
    Beide lassen ihre Zeichnungen durch Prüfer*innen prüfen.
  • Das Projekt Corona Leichte Sprache informiert über das Corona-Virus.
    Es erklärt schwierige Wörter in der Corona-Zeit.
    Und es informiert über neue Corona-Regeln.
  • Auf der Internetseite einfachstars kann man Texte über Stars in Leichter Sprache lesen.